Genealogische Notizen

Familienforschung kann spannend sein wie ein Kriminalroman. Wir möchten Euch teilhaben lassen an den aufregenden Geschichten, die wir in Kirchenbüchern und Archiven ausgraben. Taucht ein mit uns in vergangene Epochen und rätselhafte Verwicklungen, historische Lebensumstände und die Geschichte einer Region, die es heute so nicht mehr gibt: das frühere Ostpreußen.

Sonntag, 12. Februar 2017

Familienbuch Schaaken erschienen

 Kirche Schaaken, Details der Nordwand des Kirchenschiffs im April 2014

Vor einer Woche erhielt ich die Nachricht, dass das Familienbuch Schaaken nach Jahren  mühsamer Vorarbeit erscheint. 

Die Kirchengemeinde Schaaken lag im östlichen Samland, grenzte im Norden an das Kurische Haff, im Osten an den Kreis Labiau und das Kirchspiel Caymen, im Westen an das Kirchspiel Powunden und im Süden an das Kirchspiel Schönwalde. Das Kirchspiel umfasste circa 50 Dörfer und Orte. Damit gehörte es zu den größten und bevölkerungsreichsten Kirchspielen im Samland. 
Weitere Informationen findet man hier: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchspiel_Schaaken

Infos und Bezugsquelle Familienbuch Schaaken:  www.cardamina.net/artikeldetails.php?aid=587

Kirche Schaaken April 2014

Kirche Schaaken, Sommer 2009
Folgende Orte gehörten zum Kirchspiel Schaaken: Commau, Crumteich, Damerau, Damerauhof, Daniels, Dogehnen, Eythienen, Gallgarben, Adl. Gallgarben, Germehnen, Ginthieden, Görken, Hannchenthal, Hülfe, Hütterie, Karlshof, Kirschappen, Konradshorst, Konradsvitte, Kröken Krug, Marienhof, Mickenburg, Morgen Krug, Neuendorf, Neuendorfshöfchen, Nickelsdorf, Palwenhaus, Powarben, Preuß. Höfchen, Regitten, Reyken, Sallecken, Sand, Schaaken, Schaaken Kirche, Schaaken Liska, Schaaksvitte, Sperlings, Sprittlauken, Steinort, Sudau, Sudnicken, Tarpienen, Thiemsdorf, Trömpau, Waldhaus, Wesselshöfen.
Kirche Schaaken, Sommer 2009
Kirche Schaaken, Sommer 2009


Die darin enthaltenen Tauf-, Heirats- und Sterberegister von 1689 bis 1874 bilden die Grundlage für das Familienbuch. Die in den Tauf-, Heirats- und Sterberregistern eingetragen Daten wurden alphabetisch und nach Familien sortiert. Tausende von Eintragungen sind mühevoll sortiert worden. Schwer lesbare Handschriften wurden von kundigen Forschern entziffert. Nun liegt das Werk in 5 Bänden mit fast 4000 Seiten Inhalt vor und gibt einen detailierten Einblick in die historischen Familienentwicklungen der Einwohnerschaft dieses Kirchspiel im Verlauf von 200 Jahren. Die Forscher haben -soweit verfügbar- auch Ergänzungen aus anderen Quellen hinzugefügt. 
Kirche Schaaken, April 2014
Kirche Schaaken, April 2014

Siehe auch meinen älteren Beitrag zum Thema Ortsfamilienbücher:   http://genealogischenotizen.blogspot.de/2009/03/ortsfamilienbucher-bequeme-quellen-zur.html

Samstag, 17. Dezember 2016

SEDDIG im Samland

Die Mutter meiner Mutter war Charlotte SEDDIG, geboren 1907 in Willkeim im Kirchspiel Powunden im Kreis Königsberg. Ich habe auch noch meinen Urgroßvater kennen gelernt: August SEDDIG (1878-1970), ein Bauer und Stellmacher in Willkeim. Aus Erzählungen wußte ich, dass mein Urgroßvater noch einige Schwestern gehabt hatte. Aufgrund der schlechten Quellenlage (keine Kirchenbücher, keine Standesamtsunterlagen im Samland aus der Zeit von 1874-1945) konnte ich die genauen Umstände bisher nicht ermitteln.
von links: Helene Seddig, meine Mutter, Charlotte Schweichler geb. Seddig
Ein Foto aus dem Jahr 1964 mit meiner Mutter zwischen ihrer Tante Lene (1913-2003) und ihrer Mutter Charlotte (1907-70). Nachfolgend ein Foto meines Urgroßvaters August Seddig, Vater von Helene und Charlotte Seddig.
August Seddig 1964

August Seddig hatte noch eine dritte Tochter (Grete 1910-96) und einen Sohn Richard, der jedoch 1942 als Soldat in Russland umkam. August Seddig war mit Ernestine Lorenz (1878-1960) aus Twergaiten verheiratet. Soweit ließ sich noch alles bequem aus dem Gedächtnis der Zeitzeugen rekonstruieren. Meine Mutter erinnert noch recht gut, dass ihr Großvater 5 Schwestern hatte, die alle in Königsberg verheiratet waren. Da sollte es eine Tante Malchen, verheiratete Heller gegeben haben nebst weiteren Tanten mit den Ehenamen Lange, Klein, Zacharias und Kuchta. Genaueres schien nicht mehr erinnerbar und mangels Quellen auch nicht mehr recherchierbar. So der Stand der Ermittlungen seit etwa 30 Jahren.

Vor einiger Zeit bekam ich von einem Forscher, mit dem ich mich schon öfter über Rechercheprobleme ausgetauscht hatte, interessante Funde übermittelt. Über ancestry hat er online Zugang zu digitalisierten Standesamtsregistern aus unter anderem Königsberg und Berlin. Die Königsberger Standesamtsregister sind -wenn auch mit Lücken- größtenteils überliefert, waren jedoch für Jahrzahnte so gut wie nicht zugänglich im berüchtigten Standesamt I in Berlin. Man konnte schriftliche Anfragen stellen, jedoch nicht selbst recherchieren. Auf schriftliche Anfragen erhielt man nur Antwort, wenn man exakt benennen konnte, wonach gesucht werden sollte (also z.B. Geburtsurkunde von Hans Müller *01.01.1901 in Königsberg-Kneiphof). Wenn man nur fragen konnte, ich suche die Geburt des Hans Müller, geboren um 1900 - keine Chance auf eine positive Antwort. Und wenn eine Antwort auf eine Anfrage kam (die ja nur eine amtliche Bestätigung der bereits bekannten Daten sein konnte), dann oft erst nach 15-20 MONATEN! Diese unhaltbare Situation entspannt sich dahingehend, dass das StA I  Unterlagen an das Landesarchiv Berlin abgegeben hat. Die nicht mehr unter Datenschutz fallenden Register wurden digitalisiert. Die Dokumente sind über ancestry online zugänglich. Allerdings muss man dort angemeldetes Mitglied sein (kostenpflichtig). Warum die Standesamtsunterlagen nicht allgemein zugänglich sind, wie das mit Standesamtsunterlagen aus polnischen Archiven mittlerweile üblich ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Auf diesem Wege erhielt ich von Zeit zu Zeit Zufallsfunde von jenem Forscher übermittelt. Hier ein Beispiel:
Aus diesem Heiratseintrag konnte ich nun die genauen Daten von der ältesten Schwester meines Urgroßvaters entnehmen, die bisher nur als verehelichte Klein bekannt war:

Johanna Wilhelmine Amalie SEDDIG, *15. August 1875 in Willkeim, oo 5. März 1897 in Königsberg mit Karl August KLEIN, der 1872 in Sprittlauken (Kirchspiel Schaaken, Kreis Königsberg) geboren wurde. Seine Eltern, der Arbeiter Gottlieb Klein und seine Ehefrau Ernestine Krause lebten 1897 in Gunthenen bei Powunden. Aus dieser Ehe stammen zwei Söhne: Kurt soll ein Elektrogeschäft in Königsberg geführt haben, Walter war bei der Königsberger Feuerwehr (nach den Erinnerungen meiner Mutter).

Aus ähnlichen Einträgen konnte ich weitere Geschwisterdaten vervollständigen:
Marie Henriette SEDDIG, *22. August 1880 in Plöstwehnen, 1909 Dienstmädchen in Berlin-Rixdorf, oo 26. Juni 1909 in Rixdorf mit dem Gärtner Stephan KUCHTA (*15.8.1880 in Kbg-Sackheim). Bei weiteren Recherchen stieß ich auf Adressbucheinträge: z.B. 1930 in der Jablonskistr. 35 in Berlin NO55. Stephan KUCHTA verstarb 1952 in Berlin-Prenzlauer Berg. Was aus seiner Frau Marie Henriette wurde, habe ich noch nicht herausgefunden.

Anna Elisabeth SEDDIG wurde am 2. Januar 1883 in Willkeim geboren. Sie heiratete am 1. Mai 1908 in Königsberg den Rangiermeister Karl Ludwig Friedrich HELLER, welcher am 27.8.1881 in Kbg. geboren wurde. Aus dieser Ehe soll es einen Sohn gegeben haben (Helmut Zacharias), der nach dem Krieg in Lüneburg lebte.

Anna Amalie SEDDIG (Tante Malchen) war mit dem Straßenbahnschaffner Karl August Franz HELLER verheiratet, der jedoch schon am 1. September 1915 als Soldat im 1. Weltkrieg im Osten umkam. Die HELLERs lebten in Königsberg in der Freystraße.

Dann gab es noch Auguste SEDDIG, verehelichte LANGE in Königsberg, über die noch nichts weiterführendes gefunden werden konnte.

Ich hege die kühne Hoffnung, dass mögliche Nachkommen bei einer Internetrecherche diesen Beitrag finden und Kontakt aufnehmen. Vielleicht ließe sich auf diesem Wege die fragmentierte Familiengeschichte zusammenfügen.

Das Haus meiner Urgroßeltern in Willkeim/
Новосельское (Blickrichtung von der Dorfstrasse nach Norden zum Kurischen Haff)
Das Haus meiner Urgroßeltern in Willkeim steht noch, wurde vor einigen Jahren renoviert und wird sehr gut gepflegt. Alle anderen Häuser im Dorf sind verfallen oder in einem schlechten Zustand. Der Eingang lag ursprünglich auf der Vorderseite des Hauses zur Dorfstraße hin und hatte eine Glasveranda als Vorbau.

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Hier findet man einen älteren Beitrag über die SEDDIGs: http://genealogischenotizen.blogspot.de/2011/11/meine-schwierigen-falle-seddig-lorenz.html 

Link zu ancestry (frei zugängliche Suchfunktion):
http://search.ancestry.de/search/category.aspx?cat=34

Hier findet man eine sehr gute Übersicht über deutsche Unterlagen aus polnischen Archiven, die von diesen digitalisiert und in vorbildlicher Weise online verfügbar gemacht wurden:
http://allenstein.draschba.de/neues.php
Darunter auch etliche Jahrgänge von Königsberger Kirchenbüchern. Stöbern lohnt sich!